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Abgereist und angekommen

Maria Lang

Aus welchen Gründen auch immer wir eine Reise unternehmen, sie trägt auf jeden Fall dazu bei, unseren Horizont zu erweitern und möglicherweise auch dazu, Gott zu erfahren. Ich möchte dazu einige Beispiele aus meinem Leben erzählen.

 

 

Als knapp 20-Jährige unternahm ich allein eine siebenmonatige Weltreise. Ich suchte damals Freiheit, Abenteuer und war auf der Flucht vor einigen Problemen. Kurz davor hatte ich „zufällig“ Georg kennengelernt, der mir auf ganz neue, faszinierende Weise von Jesus erzählt hatte. Ich war zwar in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen, hatte Religion aber eher als einengend erlebt. Durch einige Begegnungen mit verschiedenen Christen am anderen Ende der Welt wurde ich schließlich überzeugt, dass eine Beziehung zu Gott in befreiender Art und Weise möglich ist und setzte von da an meine Reise gemeinsam mit IHM fort. Es war die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe! Und meine ohnehin abenteuerliche Reise – ich fuhr einfach drauflos – wurde dadurch noch um einiges spannender! So durfte ich z. B. mit einer christlichen Motorrad-Gang die gesamte Nordinsel Neuseelands durchqueren und mit ihnen Ostern feiern! Durch diese rein äußerlich so rauen Kerle – viele hatten Tätowierungen an den Armen, langes verfilztes Haar und trugen schwarze Lederkluft – wurde mir wieder neu bewusst, dass Gott nicht auf unser Äußeres achtet. Wir müssen nicht „brav“ und angepasst sein, um gute Christen zu sein. Auf unser Herz kommt es an!

 

Auf dem Jakobsweg

Etwa ein Jahr nach meiner Heimkehr – mein Mann und ich waren ein junges Paar – beschlossen wir, einen Teil des berühmten Jakobsweges zu Fuß zurückzulegen. Ausgerüstet mit Zelt und dem Allernötigsten, gingen wir ohne genauen Plan einfach drauflos. Wir wollten ganz auf Gottes Vorsehung vertrauen, uns im richtigen Moment die richtigen Menschen, Orte, Übernachtungsmöglichkeiten etc. über den Weg zu schicken.

Es war sehr spannend. Die Vormittage verbrachten wir im Schweigen. Ich erinnere mich noch gut, dass ich vieles dadurch stärker wahrnahm als sonst. Düfte, Landschaften, andere Menschen. Ich fühlte eine starke Gottverbundenheit während dieser Zeit. Am Nachmittag plauderten wir dann ein wenig und tauschten uns aus. Einige Male durften wir erleben, dass Gott wirklich praktisch für uns sorgt. Einmal, als wir weit entfernt zum nächsten Ort waren, ging uns das Brot aus. Im Vertrauen baten wir Gott darum. Da kamen zwei weitere Pilger vorbei und boten uns von sich aus ein großes Stück Brot an! Wir hatten – neben zahlreichen Entbehrungen – auch heitere Erlebnisse. Einmal war es abends schon so dunkel, dass wir auf gut Glück auf einem Wiesenstück am Stadtrand campierten. Früh am Morgen wurden wir durch Baulärm geweckt. Unser Zelt stand auf einem winzigen Rasenfleck mitten auf einer Baustelle!


Raus aus der Komfortzone

Auch wenn ich nicht jede meiner Reisen in der Absicht unternommen habe, dabei Gott näher zu kommen, so durfte ich doch seine Anwesenheit besonders stark spüren. Eine Reise zu unternehmen, egal welcher Art, bedeutet eine gewisse Bereitschaft, offen für Neues zu sein. Diese Bereitschaft nützt Gott gerne, um sich uns zu offenbaren. Dabei muss man nicht um den halben Globus reisen. Oft habe ich auf ganz einfachen Spaziergängen in unserer Umgebung Seine Spuren und Fingerabdrücke entdeckt! Und gemeinsam mit unseren Kindern wird derzeit jeder kleine Ausflug zu einer spannenden Entdeckungsreise! Sei es in den Wundern Seiner Schöpfung oder in Menschen, denen wir begegnen – wenn wir achtsam und neugierig sind, können wir Gott in so vielem erkennen!

Allerdings habe ich gemerkt, dass es mir leichter fällt, mich zu öffnen, wenn ich mal hinauskomme aus meiner gewohnten Umgebung, aus meinem Alltagstrott, an mir unbekannte Orte. Das Neue übt einfach einen gewissen Reiz auf uns aus, und die Vorfreude auf schöne Erlebnisse schärft unsere Sinne. Außerdem ist dieses Verlassen unserer Komfortzone eine gute Schule in Sachen Vertrauen! Einige Male musste ich unterwegs auch schwierige Situationen bestehen und kam an meine menschlichen Grenzen. Einmal – auf meiner Weltreise – überlebte ich unbeschadet einen Orkan mitten in den Bergen, ein andermal war ich mutterseelenallein in einem Krankenhaus wegen beginnender Blutvergiftung. Wie gut war es da, mich fern von meinen Lieben in Gott geborgen zu wissen! Mein Glaube an Gott wurde dadurch gestärkt, aber gleichzeitig auch mein Glaube an die Menschheit. In der Fremde empfand ich tiefe Dankbarkeit für jede kleine Geste der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft!

 

Sterbehaus und Straßenkinder

Die Auseinandersetzung mit anderen Ländern und Kulturen ermöglicht es uns außerdem, unsere eigenen Werte neu zu überdenken und Vorurteile abzubauen. Nach meiner bestandenen Krankenpflege-Ausbildung bin ich mit zwei Freundinnen auf dem Landweg nach Kalkutta gefahren. Wir wählten bewusst die Fortbewegung mit öffentlichen Verkehrsmitteln, um langsam in den uns fremden Kulturkreis einzutauchen.

Zwei Monate lang halfen wir als Freiwillige bei den Missionarinnen der Nächstenliebe mit – im Sterbehaus und in einer Schule für Straßenkinder. Die Konfrontation mit Armut, Leid und Tod hat mich tief betroffen gemacht. Oft habe ich mit Gott gerungen, warum er dies zulässt und durfte gerade inmitten all des Elends immer wieder ursprüngliche Freude erfahren! Gottes Barmherzigkeit wurde für mich in den Ärmsten der Armen so greifbar und spürbar. Seitdem habe ich persönlich einen ganz anderen Zugang zum Sterben, aber auch zum Leben. Jede Reiseerfahrung prägt und formt unsere Persönlichkeit, und unsere persönlichen Erlebnisse sind ein unvergleichlicher Schatz. Abgesehen von den vielen Erinnerungen konnte ich mir auch ganz praktisch Dinge mitnehmen: In Indien z. B. lernte ich in einem kleinen Restaurant, wie man über offenem Feuer Fladenbrot bäckt. Und eine Farm in Australien inspirierte mich dazu, unser Haus mit einer überdachten Veranda auszustatten, auf der unsere Kinder auch bei Regenwetter gerne spielen.

 

In Gottes Gegenwart

Durch das Kennenlernen so vieler Lebensumstände und -geschichten bin ich zufriedener mit meinem eigenen Leben geworden. Ich habe erkannt, dass genau die Menschen, die ich früher oft so beneidet hatte, auch ihre Schwierigkeiten zu bestehen haben und dass ich eigentlich mit niemandem auf der Welt tauschen möchte! So ist also meine Lebensreise mit Gott gleichsam zu einer Glaubensreise geworden. Ich entdecke immer wieder neue Facetten von Ihm und merke, wie ich mich dadurch auch selber immer besser kennenlerne. Gott kennt mich wie kein Mensch auf dieser Welt und weiß um meine tiefsten Sehnsüchte. Oft hat er mich schon mit wunderbaren Geschenken überrascht und mich damit mitten ins Herz getroffen! Ein atemberaubender Sonnenuntergang, ein duftendes Blütenmeer, ein unbeschwertes Kinderlachen – Gott ist mit uns! Egal, wo wir auf unserer Lebensreise stehen – machen wir uns immer wieder auf, Seine Gegenwart zu suchen und uns von Ihm finden zu lassen!

 

 

Maria Lang, geb. 1976, lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Wieselburg, NÖ. In ihrer Jugend bereiste die Dipl. Krankenschwester den halben Globus und engagierte sich in verschiedenen sozial-medizinischen Bereichen. Derzeit ist sie in Karenz und arbeitet daneben als freie Autorin und Illustratorin. Buchtipp: „Einmal auftanken bitte!“